Ein Tag voller Extremen

?“Ein Tag voller Extremen“. Was kann man sich unter so einer vielversprechenden Ueberschrift nur vorstellen┬┐
Ist an unserem vergangenen Gruppensonntag etwa irgendetwas schlimmes passiert? Nein ihr koennt beruhigt sein.
Ganz im Gegenteil; ein Tag voller durchweg postiver Extreme sollte uns als Gruppe an diesem Sonntag erwarten.
Wir machten uns nach einem amerikanischen Traumfruehstueck in Granada (die meisstens haben sich den Magen mit Pancakes gefuellt) auf zum Vulkan Mombacho und sollten dort so einiges erleben.
Am Fuss des Vulkans (ueber 1300m) angekommen buchten wir alles an Programm was es zu buchen gab.
Innerhalb von sechs Stunden sollte uns die gesamte Dosis an Abenteuer verabreicht werden, die unsere -bis dahin geschonten Koerper- nur so herbeisehnten.
Es ging zunaechst mit einer LKW-Sonderanfertigung (Made in Germany) die erste Stufe des Vulkans hoch zu einem Gehoeft, wo wir uns mit dem beruehmten „Hochland-Kaffee“ des Mombacho versorgen konnten. Selbst als dem Kaffee im normalen Alltag eher abgeneigte Person, habe ich einen Becher probiert und sehr genossen.
Nach dieser fuenfminuetigen Pause ging es dann in einem Rutsch den restlichen halben Kilometer hoch zu der Station, die der Ausgangspunkt fuer unsere erste Aktivitaet sein sollte (ca. 1100m).
Wir hatten zunaechst eine Bergtour gebucht und durften uns dann zwischen drei Schwierigkeitsstufen entscheiden. Als Gruppenleiter hatte ich der Gruppe die Last der Entscheidung ueber diese Frage aber schon im Vorfeld abgenommen.
So sollte der „Pfad des Pumas“ mit der hoechsten Schwierigkeitsstufe und der laengsten Strecke die Messlatte fuer unsere koerperliche Fitness und unseren Ehrgeiz sein. Zweihundert Hoehenmeter sollten -auf vier Kilometer verteilt- ueberwunden werden. Die Karte gab als Richtwert vier Stunden, fuer den gesamten Pfad bis zur hoechsten Plattform und zureuck, an.
Zu dem „Puma-Pfad“ muss man zusaetzlich bemerken, dass er ausschliesslich in Begleitung eines professionellen Guides und in einer maximalen Gruppengroesse von fuenf Personen begangen werden darf.
So teilten wir uns also in zwei Gruppen, die jeweils einen Guide als Fuehrung durch den z.T. sehr engen und steilen Pfad hatten.
Nadja, Cihan, Inga, Wiebke, Ich und Armando (unser netter Reisebegleiter) sollten als erste losgehen.
Unser anfaenglicher Eifer bekam durch die ersten Steigungen schnell einige Risse.
Die ersten Anzeichen von Erschoepfung waren aber erst kurz vor der hoechsten Plattform und der dazugehoerigen Steigung deutlicher zu sehen. Auf der ersten Plattform angekommen troestete der Blick auf die Gesamte Land- und Wassermasse der Umgebung schnell ueber die Muehen der Besteigung hinweg. Zu sehen waren neben den wunderschoenen Inselformationen der Isletas im Cocibolca-See (der groesste Suesswasser Binnensee des Kontinents) auch die Laguna de Apoyo (ein riesiger Vulkankrater gefuellt mit klarstem Wasser) und die Kolonialstadt Granada.
Wirklich faszinierend war es wie schoen die Natur von dort oben ist, wenn man am Vortag alles im Detail gesehen und bestaunt hatte so bestaunte man ein und dieselbe Landschaft (insebsondere die Inseln) nochmals und nochmals von weit oben.
Unsere Bergfuehrerin zerstoerte die Harmonie dieses wundervollen Momentes, indem sie uns auf einen aehnlich grossen Teilgipfel auf der gegenueberliegenden Seite des Vulkans aufmerksam machte. Dort sollte sich die zweite Plattform befinden. Inga artikulierte die Gedanken der gesamte Gruppe mit „Das soll doch wohl jetzt nen Scherz sein oder?“ sehr treffend.
Es war kein Scherz und so ging es mit Mueh und Not in Richtung zweite Plattform.
In der Zwischenzeit brachte uns unsere Fuehrerin weiter die Flora und Fauna der Umgebung naeher. Auf die obligatorische Frage ob wir denn Fragen haetten, fiel Wiebke zum Schluss aber dann doch nur ein, warum unser Bergguide denn nicht schwitzen wuerde.
Das lag daran, dass wir von oben bis unten durchgenaesst waren und diese junge Dame keinen einzigen Tropfen Schweiss auf der Stirn hatte.
„Gewohnheit und Praxis“ war die professionelle und ofizielle Antwort an die Gruppe und „Wollt ihr das ich schwitze?“ die ganz persoehnliche Message oder sollte ich sagen Drohung an unsere Teilgruppe die sie prompt nachschob.
Nach einiger Zeit kamen wir dann auch beim zeiten Gipfel an und bekamen den Schock unseres Lebens.
Wir hatten erst Zweidrittel des Pumapfades hinter uns gebracht und das letzte -schwere- Drittel des Pfades stand noch vor uns. Wie sollte wir das schaffen? Um ehrlich zu sein weiss ich bis jetzt nicht, wie wir die ganzen „Naturtreppen“ ueberwinden konnten und die dafuer notwendige Energie aufgebracht haben. Aber ich glaube das wir zuletzt viel Energie aus unseren Koepfen in die Beine umgeleitet haben. Das Sprach- und Sprechniveau auf den letzten Metern kann ich mir anders nicht erklaeren.

Mombacho

Was wir mit diesem Foto zu tun haben erfahrt ihr morgen.

Canopy